Der Ruhm wiegt schwer

Scott hatte ein wenig Probleme, mit dem Ruhm umzugehen, den der phänomenale, weltweite Erfolg von San Francisco ihm bescherte. Vielleicht kann dieser Auszug aus Ned Wynns Buch We Will Always Live in Beverly Hills: Growing up Crazy in Hollywood (mit freundlicher Genehmigung des Autors) dies ganz gut verdeutlichen:

Er (Scott) war ein Crooner in einer Zeit, in der es keine Crooner unter 50 gab. Er war wie geschaffen für den Song (San Francisco). Nicht geschaffen war er für das, was ein Hit so mit sich brachte.

„Gott, Ned, versteck mich bitte!“ Das ist Scott. Er steht auf meiner Vernda, mit wirrem Blick und voller Panik. Er sieht aus, als sei er die ganze Nacht aufgewesen.

„Was ist denn los, Mann?“ frage ich.

„Frauen! Überall in meiner Wohnung! Sie kommen in Scharen den Laurel Canyon hoch!“

„Warte, lass mich ein paar Sachen zusammenpacken, eine Zahnbürste ...“, sage ich und starte Richtung Badezimmer.

„Nein, du verstehst nicht. Ich meine ganze Horden! Dutzende von Mädchen, die buchstäblich bei mir einbrechen, um mich ins Bett zu zerren!“ Wir standen da und sahen uns an, er um Verständnis flehend, ich um Zeit.

„Zahnbürste und Zahnpasta“, sage ich und gehe weiter.

„Du kapierst das nicht, oder? Vor einem Monat hätten mich diese verrückten Dinger nicht mal angesehen, und jetzt können sie's gar nicht erwarten, mit mir zu f***!. Warum? Ich meine ... das ist doch krank, Mann! Das ist pervers! Manche sind gerade mal vierzehn, fünfzehn Jahre alt!“

„Zahnbürste, Zahnpasta, ein paar Gummis ...“

„Ned, du hörst mir nicht zu! Sie kommen Tag und Nacht, das ist ihnen völlig gleich. Sie haben Freunde, Ehemänner – es ist ihnen egal. Sie sind wie Tiere! Das törnt einen nicht mal an, das ist einfach nur ... Grauen erregend!“

Das war subversives Geschwät. Mir war nicht wohl zumute. Seit wann lehnte ein Mann eine Muschi ab, die sich ihm von sich aus anbot? Sowas hatte ich noch nirgends gelesen. „Reiß dich zusammen, Scott! Dafür leben wir ja. Wir sollen den ganzen Sex und Ruhm und Reichtum mitnehmen. Diese Dinge schickt uns der Himmel.“

„Und wie kommt es dann, dass ich dabei ausflippe?“

„Ganz einfach. Du bist krank, Scott. Sag mal, könntest du nicht denen, die du nicht haben willst, sagen, dass ich auch gerade einen Hit produziere? Nichts Spektakuläres, ich schöpf mir dann die Sahne schon ab.“

Scott starrte mich an, drehte sich um und floh.