Eine Nachricht von Scott

Scott, 2008
Scott, 2008

Herzlich willkommen. Ich hoffe, diese Website, die meine lieben Freunde Gary und Raylene Hartman so liebevoll zusammengestellt haben und für jeden, der hier zufällig vorbeischaut am Leben erhalten, gefällt euch.

Als San Francisco im Frühjahr 1967 erschien, herrschte bei uns ein ziemliches Chaos. Bereits schwer geschunden durch die politischen Attentate, war mein Land zudem wegen des eskalierendes Krieges in Vietnam tief gespalten und blutete vor hasserfüllten Gewaltakten, die nicht selten eine Reaktion auf gewaltfreie Menschenrechtsdemonstrationen und -proteste waren.

Zur gleichen Zeit litten die Menschen in Osteuropa und vor allem in Ostdeutschland unter dem Terror nächtlicher Besuche durch die Geheimpolizei, die Türen eintraten und die Bewohner wegkarrten, um sie in „Umerziehungsanstalten“ zu stecken. Und aufgrund welcher Verbrechen? Unter anderem, weil sie dekadente, subversive westliche Musik hörten, vor allem San Francisco.

Als ich 1991 im früheren Ostdeutschland auftrat, zeigten mir ein paar Leute ein solche Anstalt. Der Gang durch die leeren Zellen und "Verhörräume" hat mich schwer erschüttert. Schließlich ließen wir alle die Köpfe hängen und weinten. Ein paar Meter weiter an der immer noch unbefestigten Straße stand ein neu gebautes Hotel mit einer Bar. Dort sind wir dann gelandet, haben auf die Freiheit angestoßen und lautstark San Francisco gesungen. Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen.

1987 war ich in Sao Paulo in Brasilien. Dort zeigten mir Leute einen Raum, in dem sie sich früher regelmäßig heimlich getroffen hatten, um eine Kerze anzuzünden und von der Freiheit zu flüstern, während sie San Francisco hörten. Auch diesen Besuch werde ich niemals vergessen.

Ich finde es erstaunlich, wie sehr San Francisco auch heute noch in den Herzen und Köpfen der Menschen in aller Welt Träume zu wecken vermag. Obwohl viele das Erscheinen dieser Platte miterlebt haben, wächst die Zahl derer, die damals noch gar nicht geboren waren. Dennoch sind auch sie von diesem einfachen Song berührt.

Aber waren die besungenen wunderbaren Zeiten wirklich so wunderbar? Sicherlich haben sie zu Wundern inspiriert, soviel steht fest. Vermutlich kam es darauf an, wo man war, was man machte, was einem wichtig war. Da gab es Fanatiker, Tyrannen und Unterdrückung, Staatsoberhäupter wurden ermordet, junge Künstler starben den Drogentod. Andererseits waren da aber auch neue, junge, soziale, politische und musikalische Führungspersönlichkeiten, die mehr Mut, Leidenschaft und Engagement für soziale und politische Reformen forderten.

Eines ist sicher: Die Popmusik, die damals entstand, war wirklich einzigartig. Zu keiner anderen Zeit, weder davor noch danach, war populäre Musik, der Rap ausgenommen, von so reiner Poesie und einem so hohen sozialen Einfluss geprägt. Selbst am Ende der Dekade, als viele von uns die Hoffnung verloren, als aus dem Sommer der Liebe ein Winter der Verzweiflung wurde, half unsere Musik uns dabei, durchzuhalten und diese Welt zu ertragen, die wir so gern geändert hätten.

Und das tut sie immer noch.

Scott McKenzie
August 2002